Manchmal sind es die unscheinbaren Dinge, die im Nähzimmer am meisten genutzt werden: bei mir sind es Bügelei und Saumrolle. Beide helfen dabei, Nähte sauber auszubügeln, Rundungen schön in Form zu bringen und Druckstellen zu vermeiden – und sind außerdem super schnell selbst genäht. Heute möchte ich dir zeigen wie du diese beiden kleinen Helfer ganz einfach selber zaubern kannst.
Das passende Schnittmuster findest du als Freebook in meiner Freebookbibliothek.
Wofür braucht man ein Bügelei?
Ein Bügelei ist wie ein kleines, handliches Bügelbrett für alles, was nicht flach ist. Es unterstützt Stoffteile beim Bügeln, statt sie platt zu drücken. Genau das macht es so wertvoll, wenn du an Rundungen oder geformten Nähten arbeitest.
Ich nutze es besonders gern für:
- Abnäher (z. B. Brustabnäher)
- geschwungene Nähte und Rundungen
- Armkugeln, Ärmelansätze und Passe
- Taschen, kleine Beutel, Kanten mit Form
- Kapuzen
- Beanies und Mützen
Mit einem Bügelei bekommst du ein deutlich saubereres Finish und es lohnt sich wirklich schon ab dem ersten Einsatz.

Wofür braucht man eine Saumrolle?
Die Saumrolle (manchmal auch Ärmelrolle genannt) ist lang und schmal – perfekt für alles, was „röhrenförmig“ ist. Der große Vorteil: Du bügelst Nähte und Säume, ohne dass sich die Nahtzugabe auf die andere Stoffseite durchdrückt. Außerdem bekommt dein Ärmel beim Bügeln keine scharfen Kanten.
Die Saumrolle ist ideal für:
- Ärmel
- Hosenbeine (auch Kinderhosen!)
- schmale Säume
- Seiten- und Innenbeinnähte
- Bündchen- und Übergangsbereiche
Kurz gesagt: Alles, was zu eng fürs Bügelbrett und auch fürs Bügelei ist oder wo du keine Abdrücke riskieren willst.

Welche Stoffe eignen sich als Außenstoff fürs Bügelei?
Für den Außenstoff vom Bügelei eignen sich am besten Stoffe, die Hitze gut vertragen, sich glatt bügeln lassen und nicht so schnell glänzen oder schmelzen. Besonders bewährt haben sich Baumwoll-Webwaren wie Popeline, Köper, Canvas oder Jeans – sie sind robust, langlebig und ein echter Allrounder. Auch Leinen oder Halbleinen sind eine tolle Wahl, vor allem wenn du gern mit Dampf bügelst, denn sie sind sehr hitzebeständig und wirken schön hochwertig.
Wenn du Stoffreste verwerten möchtest, kannst du auch prima zu Baumwollstoffen aus Patchwork, Bettwäsche oder anderen Webwaren greifen.
Auch Flanell oder Wollstoffe können sich als Außenstoff fürs Bügelei eignen. Flanell ist schön weich und damit ideal für empfindlichere Stoffe – er eignet sich besonders gut als „sanfte“ zweite Seite am Bügelei. Glatte Wollstoffe sind ebenfalls eine tolle Wahl, vor allem wenn du gern mit Dampf arbeitest, denn Wolle ist hitzetolerant und unterstützt das Formbügeln richtig gut. Wichtig ist nur, dass der Wollstoff nicht zu dick oder zu rau ist, damit keine Abdrücke entstehen.
Weniger geeignet sind Stoffe mit hohem Polyesteranteil sowie sehr plüschige Stoffe wie Fleece oder Minky, da sie hitzeempfindlich sind oder keine glatte Oberfläche fürs Bügeln bieten.
Tipp: Nähe dein Bügelei zweiseitg, zum Beispiel eine Seite aus festem Canvas und die andere aus Leinen oder Baumwolle. So kannst du je nach Projekt die passende Seite nutzen.
Womit kann man Bügelei & Saumrolle füllen?
Damit Bügelei und Saumrolle später gut funktionieren, sollte die Füllung formstabil sein. Ich empfehle dafür besonders zwei Varianten:
1. Kleintierstreu/Sägespäne
Das ist eine richtig gute Wahl, weil es:
- ein angenehmes Gewicht hat (liegt stabil)
- sehr formstabil ist
- sich „professionell“ anfühlt
Tipp: Du kannst auch ein Innenkissen aus dem gleichen Schnitt nähen (z. B. aus einfacher Baumwolle) und füllst dieses dann mit dem Streu. Das Innenkissen kommt dann in die Außenhülle – sauber, sicher und langlebig.
2. Stoffreste
Die günstige und nachhaltige Variante:
- du nutzt deine Reste sinnvoll weiter
- du kannst sehr fest stopfen
- kostet nichts und ist immer verfügbar
Tipp: Schneide die Reste möglichst klein, dann wird die Füllung gleichmäßig und es gibt keine harten Stellen. Verwende unbedingt hitzebeständige und saugfähige Stoffe.
So werden Bügelei & Saumrolle genäht
Beide Projekte sind schnell gemacht und funktionieren nach dem gleichen Prinzip:

Zuschneiden
Schneide die Teile nach dem Schnittmuster zu. Am besten eignen sich feste, hitzebeständige Stoffe wie Baumwolle/Webware, Canvas oder Köper.

Zusammennähen
Lege die beiden Teile jeweils rechts auf rechts aufeinander und nähe sie rundherum zusammen. Wichtig: Lasse eine 5-8 cm breite Wendeöffnung offen.

Rundungen vorbereiten
Schneide die Nahtzugaben an den Rundungen leicht ein oder schneide die Nahtzugabe mit einer Zackenschere zurück, damit sich beim Wenden alles glatt legt. Spare dabei den Bereich der Wendeöffnung aus. Hier wird die Nahtzugabe noch benötigt.

Wenden & Formen
Wende das Bügelkissen und arbeite die Form sauber aus.

Füllung
Ich habe mich bei meinem Projekt für eine Füllung mit Kleintierstreu entschieden.

Trichter basteln
Um das Streu besser einfüllen zu können, habe ich mir aus einem A4-Blatt einen Trichter gebastelt. Du kannst die Füllung aber auch von Hand oder mit einem Esslöffel in das Kissen befördern.

Füllen
Jetzt wird’s entscheidend: Fülle dein Bügelei gleichmäßig und drücke die Füllung wirklich fest, damit dein Bügelhelfer stabil bleibt und sich später beim Arbeiten nicht zusammendrückt.

Wendeöffnung schließen
Nun musst du nur noch die Wendeöffnung schließen. FERTIG!

Fazit
Ein Bügelei und eine Saumrolle sind kleine Projekte mit großem Effekt: Sie machen das Bügeln einfacher, die Verarbeitung sauberer und dein Ergebnis insgesamt „professioneller“. Wenn du sie einmal hast, willst du sie nicht mehr missen.
Ich wünsche dir ganz viel Freude beim Nähen und Ausprobieren! 🧡
Und glaub mir: Wenn Bügelei und Saumrolle einmal fertig sind, willst du sie beim Bügeln nicht mehr missen.
Deine Carola


